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Kitesurfen Zanzibar

Paje Beach, Zanzibar, Tansania vom 29.06. - 29.07.

Kitetour Zanzibar

Allgemein:
108 Kilogramm Freigepäck auf drei Koffer, einem Mystic Boardbag und zwei große Blade-Kiterucksäcke verteilt sowie ein Flugpreis von 695 Euro, das waren die schlagenden Argumente um mit Ethiopian Airlines zu fliegen. Viele haben im Vorfeld gesagt, dass sie da nicht einsteigen würden, aber Ethiopian Airlines wurde immerhin schon mehrfach zur besten Fluggesellschaft Afrikas gewählt und kooperiert nun auch mit der Lufthansa.
Bisher bin ich nach Djerba auch sicher geflogen und das mit klangvollen Fluggesellschaften wie Karthago Airlines oder Tunisair. Die direkte Konkurrenz, Condor, wollte für den Flug 1052 Euro haben, bei der normalen Freigepäcksgrenze von 20 Kilo + Handgepäck. Vielleicht müsste ich noch erwähnen, dass Condor direkt von Frankfurt nach Zanzibar geflogen wäre, ich konnte mich dafür aber noch kurz in Addis Abeba der Hauptstadt Äthiopiens sowie in Dar-Es-Salam / Tansania umschauen! Lange Rede kurzer Sinn, der Flug war völlig entspannt und in Ordnung, die Stewardessen waren in ihrem Service etwas chaotisch aber sehr gut drauf. Die Flugzeit betrug mit Umsteigen etwa 14 Stunden.

Transfer/Hotel:

Am Kisauni Airport Zanzibar angekommen (eine Start-/Landebahn + kleinem Flughafengebäude) stand unser Gepäck vollzählig und unbeschadet in der Empfangshalle, draußen empfing uns gleich der Fahrer unseres Hotel mit gut lesbarem Schild: „Cristal Resort“, so dass wir den Heerscharen von Kofferträgern nicht völlig hilflos ausgeliefert waren. Aber drum herum kamen wir nicht, vier Koffer, vier Träger, vier US-Dollar! Das Gepäck in den Wagen und los ging die 45 minütige Fahrt vom Flughafen im Südwesten der Insel zum kleinen Ort Paje im Südosten der Insel, etwa 40 Kilometer. Als der Fahrer irgendwo in der Pampa den Blinker setzte und von der Straße auf eine kleine, unscheinbare Sandpiste abbog und ich ein kleines Holzschild mit der Aufschrift Cristal Resort sah, war mir schon ein wenig mulmig, denn das sah nicht wirklich einladend aus.

Wir fuhren auf dieser Sandpiste durch einen Palmenhain und gelangten nach etwa 300 Metern an eine schäbig aussehende Mauer mit einem verrosteten Eisentor. Der uniformierte Securitymann öffnete das Tor und es öffnete sich ein kleines Paradies. Die Anlage des Cristal Resorts besteht aus einem kleinen aber feinen Garten mit den exotischsten Pflanzen und kleinen Holzbungalows auf Stelzen, die alle in Richtung des Meeres aufgestellt sind. Bei den Bungalows wird zwischen den günstigen Eco-Bungalows aus Holz und den etwas teureren, neueren Deluxe-Bungalows unterschieden. Ich kann Jedem nur die Eco-Bungalows empfehlen, zwar mit Holzfußboden und Moskitonetzen als Fenster einfacher ausgestattet, aber süße kleine Terrasse, Meerblick und ein absolut authentisches Robinsongefühl, bei dem man jeden Abend mit dem Meeresrauschen einschläft. Die Deluxe Bungalows sind teurer und da sie erst vor kurzem errichtet wurden, liegen sie im hinteren Bereich des Gartens und besitzen keinen Meerblick mehr, außerdem haben sie schon Glasfenster und sind gefliest. Hier geht das Robinson-Gefühl flöten, da sie sehr westlich orientiert gebaut wurden.Wir bekamen den Eco-Bungalow 11, erste Strandlage mit 25 Meter Entfernung zum Wasser und atemberaubenden Ausblick.

Er lag vom Wasser aus gesehen am rechten Rand der Anlage, am weitesten weg (ca. 70 Meter) von der Rezeption und dem Pool, da hatte man die größte Privatsphäre, leider aber auch keinen W-Lan Empfang mehr. W-Lan stand für alle Gäste kostenlos zur Verfügung, so dass man Windfinder und Windguru jederzeit abchecken konnte. Am Strand standen acht Sonnenpilze mit Liegen und Auflagen sowie mehrere, zwischen den Palmen gespannte, Hängematten für die Gäste bereit. Des weiteren verfügt das Hotel über einen kleinen Pool, einem netten Restaurant mit tollem Meerblick sowie einem Diving Center mit eigenem Boot, wo man aber auch Fahrräder (etwa 5 US-Dollar pro Tag) sowie Kajaks leihen kann und Ausflüge oder Wellness-Angebote buchen kann. So kostet z.B. eine Taxifahrt in die Hauptstadt Stone Town (hin und zurück) sagenhafte 100 US-Dollar. Wir sind mit dem einheimischen Dalla-Dalla gefahren, einem öffentlichen Verkehrsmittel, dass unregelmäßig verkehrt und dort hält, wo man winkend auf sich aufmerksam macht. Dieses Dalla Dalla braucht zwar mindestens doppelt so lange wie ein Taxi und wir saßen mit 43 Einheimischen, zum Teil auch Massai-Krieger auf den Sitzbänken (zugelassen sind 19 inkl. Fahrer), kostet jedoch nur 1 US-Dollar je Strecke und ist echt abenteurlich.

Das Hotel wird mit Frühstück für einen Preis von 38 – 48 US-Dollar je nach Saison im Netz unter angeboten. Das Frühstück ist sehr bescheiden, aber wenn man sich im Supa Duka (Supermarkt in 700 Meter Entfernung) noch etwas Nutella dazuholt, passt das schon. Halbpension ist auch möglich, würde ich aber nicht empfehlen, denn man kann abends schön am Strand lang spazieren und z.B. bei Marco (Hotel Paje by Night) sehr schön nach Karte essen (Pizza 4-8 Euro, Fleischgerichte 6-12 Euro, Cola 1 Euro). Zu erwähnen wäre noch, dass im Paje by Night jeden Freitagabend eine Party stattfindet (freier Eintritt mit DJ) und sich dort die lokale Kiteszene und Nachtschwärmer treffen und die Nacht zum Tag machen. Das Cristal Resort wird von einer jungen Französin/Amerikanerin geleitet, die sehr engagiert und aufgeschlossen ist und sich mögliche Probleme sofort annimmt und löst! Tipp: Wir konnten für unseren einmonatigen Aufenthalt im Vorfeld auch noch zehn Prozent Rabatt aushandeln!
Nun kommen wir zum Eigentlichen:
Ich bin über nach langem Stöbern auf das kleine Nest Paje gestoßen, weil ich selten solche atemberaubenden Wasserfarben gesehen habe.

Kitesurfen auf Zanzibar

Der Spot ist Gezeitenabhängig (täglich eine Stunde Verschiebung), bei Flut hat man vielleicht einen Stehbereich von 10 – 20 Metern sowie an manchen Tagen eine nette Brandung von 1 ½ Metern Welle, bei Ebbe kann man ca. 200 Meter trockenen Fußes ins Watt laufen, dann beginnt aber auch das Wasser, so dass man auch bei absoluter Ebbe nach einem kleinen Spaziergang kiten kann und das auf einer türkisen, stehtiefen Lagune mit weißen, feinsten Sanduntergrund. Bei auf-/ablaufendem Wasser hat man absolut perfekte Bedingungen, je nach Stand des Wassers kann man auf einer der schönsten Flachwasserlagunen der Welt oder einem hellblauen Meer kiten. Das Platzangebot ist bei dieser unendlichen Weite schwer zu schätzen, ich würde mal sagen ca. 5 Kilometer bis zum schützenden Außenriff, wo eine etwa drei Meter hohe, sehr schöne Welle läuft. Vom Meer aus gesehen liegt links von Paje das Dorf Jambiani (ca. 6 km Entfernung) und rechts das Dorf Bwejuu (ca. 4 km Entfernung), dieser Bereich ist fast ohne jegliche Steine oder Riffe, nur feinster Sanduntergrund. Kurz vor Bwejuu beginnt dann aber ein massives, scharfes Riff, welches sich bis direkt an den Strand zieht.

Auf diesen gut 50 Quadratkilometern war ich oftmals der einzige Kiter, da die anderen und vor allem die 4-5 Locals bei Ebbe sich nicht die Mühe gemacht haben, den etwa 200 Meter langen Fußmarsch zu machen. Dafür wurde ich aber mit absoluter Einsamkeit belohnt, die ich höchstens mit ein paar wunderschön leuchtenden Seesternen und Wasserschildkröten teilen musste. Bei auf-/ablaufenden Wasser waren in der Regel dann etwa 5-9 Kites gleichzeitig am Himmel, in der absoluten Rush-Hour habe ich das eine Mal 15 Schirme gezählt. Diese konzentrierten sich aber alle im Bereich des Hotel Paje by Night, weil da die meisten Kiter gastieren und dort auch die Kiteschulen ansässig sind, so dass man trotzdem völlige Weite und Einsamkeit genießen kann, wenn man nicht das Bedürfnis nach Posen vor Publikum hat!

Es gibt in Paje drei kleine Kiteschulen, alle Betreiber, ein Franzose, ein Holländer und am Ende von Paje in Richtung Bwejuu ein Deutsch-Kenianer (spricht perfekt deutsch) sind sehr hilfsbereit, haben Verleih und i.d.R. auch das eine oder andere Ersatzteil auf Lager. Sie bieten alle für etwa 15-20 US-Dollar Downwinder mit Transfer an, je nach Nachfrage. Da Zanzibar auf der Südhalbkugel liegt, haben die im Dezember Sommer und im Juli, wenn wir Sommer haben, Winter. Dies bedeutet aber, dass sie im Dezember Temperaturen von 29 – 35 Grad haben und im Juli von 24 – 32 Grad. Zum Kiten benötigt man dort bekleidungstechnisch selbst in deren Winter nur eine Boardshorts, wenn man keinen Sonnenbrand haben möchte, ggf. einen Lycra. An stürmischen, bewölkten Tagen kann man auch einen dünnen Shorty tragen (kommt selten vor). Auf Zanzibar gibt es zwei verschiedene Winde: Der moderate Kuzi weht von April bis Dezember aus Südost und der starke KaziKazi von Dezember bis April aus nördlicher Richtung. Den besten Wind hat man von Juni bis September und von Dezember bis Februar.

Wir hatten den Kuzi, der vom Strand aus gesehen sideshore von rechts kam. Er baute sich morgens langsam auf, so dass man noch in Ruhe zu ende frühstücken konnte und am Mittag mit 15-20 Knoten beginnen konnte. Am Abend ging er dann kontinuierlich hoch, 25-30 Knoten, zum Ende unseres Aufenthaltes auch locker bis 40 Knoten. Hinzu kamen die Gezeiten, bei Ebbe war der Wind i.d.R. deutlich schwächer, als wenn das Wasser ganz da war. Ich hatte mich auf moderaten Wind eingestellt und hatte das Spleene RIP 32, das Kitemafia Boreas 145 (Leichtwindboard), ein Skimboard sowie den Blade Trigger in 14 und 12 Quadratmetern dabei. Ein Neuner wäre für die letzte Woche perfekt gewesen, so war ich der Einzige, der mit einem 12er im Zenit zwischen den ganzen 7ern und 9ern kitete! Wir hatten die ersten drei Tage nur etwa 11-12 Knoten, so dass ich mit dem Boreas-Board und dem 14er Trigger chillig über die Lagune gleiten konnte (als Einziger, alle anderen hatten die Gleitgrenze nicht überschreiten können). Dann hatten wir fast drei Wochen lang perfekten Wind und in der letzten Woche für meinen Zwölfer leider definitiv zu viel Wind.

Seegrasplantagen

Nun zum Schluß noch ein kleines ABER:
Auf Zanzibar leben die Einheimischen zum Teil von Seegrasplantagen, dazu spießen sie in kleinen Abständen spitze Holzstäbe in den Meeresboden, wo sich Seegras sammelt, welches sie dann ernten und weiterverkaufen. Diese Seegrasplantagen gibt es auch in Paje. Sie sind etwa 150-250 Meter vom Strand entfernt, sind parallel zum Strand angelegt, haben eine Tiefe von etwa 10-15 Metern und nur wenige Unterbrechungen in Richtung Außenriff. Bei Flut sind sie drei bis fünf Meter unter Wasser und stören nicht. Bei Ebbe liegen sie direkt unter der flachen Wasseroberfläche, sind jedoch leicht zu erkennen, da das Wasser dort aufgrund des Seegrases dunkel ist. Bei absoluter Ebbe kann man leider nicht mehr vor den Plantagen kiten, so dass man über sie rüber fahren muss oder sich einen channel zwischen zwei Feldern suchen muss. Ich bin immer über die Plantagen rüber gekitet. Es ist auch immer gut gegangen, sollte man aber in so einer Plantag stürzen, kann es aufgrund der angespitzten Hölzer auch mal böse ausgehen. Dahinter ist dann wieder feinster Sand und optimale Bedingungen. Jedoch etwa 750-1000 Meter hinter den Plantagen liegen dann die ersten Seeigel im Wasser.

In der Regel kommt man aber gar nicht in die Bedrängnis soweit raus zu fahren, da man da ja schon weit über einen Kilometer draußen ist und genug Wassertiefe hat. Die Seeigel werden dann in Richtung Außenriff immer mehr so dass es am Außenriff zu richtig großen Seeigelbänken kommt.
Fazit:
Ein absoluter Traum für so ziemlich jeden Kiter. Die Farben des türkisen Meeres, die Weite und Stille, diese einzigartige Lagune, Sonne und Wärme sowie Welle und schönsten Palmenstrand, unterschiedliche Bedingungen Flachwasser, Kabbel, kleine Welle und große Welle und vor allem fast täglich perfekter Sideshorewind: Ich hatte bei der einen oder anderen Session wirklich Tränen vor lauter Glücksgefühlen in den Augen!!!

Hang looooooose

Maik-da-Kite